Neuer 1A-Award: Ideen auszeichnen, die den Praxisalltag vereinfachen

Zwei Produktmarken unter dem Dach von Sandoz. Welche Strategie steckt dahinter und wie unterscheiden sich Hexal und 1 A Pharma? Antworten gibt Dr. Stephan Eder, Country Head Sandoz Germany, im Interview. Er erläutert zudem, warum das Unternehmen mit dem 1A-Award einen neuen Preis für Ärzte ins Leben gerufen hat.

Sandoz-Deutschlandchef Dr. Stephan Eder, Country Head Sandoz Germany, zum neuen 1A-Award und zu dem Anspruch, Deutschland zu versorgen.

„Wir versorgen Deutschland“ – das ist der von Ihnen selbstdefinierte Anspruch an Sandoz Deutschland. Was heißt das genau?

Dr. Stephan Eder: Wir verstehen uns als das Rückgrat der Arzneimittelversorgung in Deutschland. Wenn es unsere patentfreien Medikamente nicht gäbe, hätte das deutsche Gesundheitssystem ein Problem. Das heißt, wir haben als klare Nummer 1 unter den Herstellern – und ich spreche hier von 1 A Pharma und Hexal gemeinsam unter dem Dach von Sandoz in Deutschland – den Anspruch, dass wir mit der Breite unseres Portfolios tatsächlich alles das, was für Patienten relevant ist, abdecken. Und deswegen auch diesen Anspruch haben, Deutschland zu versorgen.

Wir haben etwa 5200 verschiedene Produkte in unserem Portfolio. Mit einem Schwerpunkt bei HKL- und Schmerzprodukten. Aber im Prinzip bedienen wir alle relevanten Indikationsgebiete. Das ist eine 90%ige Abdeckung bei patentfreien Arzneimitteln und bedeutet, dass wir im Grunde genommen ein Vollversorger sind.

Momentan drängen Biosimilars verstärkt auf den Markt. Welchen Stellenwert haben diese für Sie?

Dr. Eder: Meines Erachtens sind Biosimilars ein ganz wesentliches Leistungsversprechen für das deutsche Gesundheitssystem. Heute sind bekanntlich die Biologika unter den ausgabenstärksten Medikamenten ganz vorne. Und mit Biosimilars sind wir in der Lage, hierzu eine kostengünstige, aber ebenso effektive wie sichere Alternative anzubieten. Wir haben mit derzeit fünf Präparaten eine große Zahl an Biosimilars am Markt und werden noch weitere einführen. Ganz wichtig ist der Patentablauf des Biologikums Adalimumab, dem umsatzstärksten Medikament der Welt, im Oktober dieses Jahres. Und auch hier wollen wir dazu beitragen, dass Biosimilars ihr Leistungsversprechen erfüllen.

 

Sandoz auf einen Blick

  • Sandoz liefert in Deutschland pro Jahr fast 200 Millionen Arzneimittelpackungen aus – etwa die Hälfte davon entfällt auf Hexal, die andere Hälfte auf 1 A Pharma.
  • Das Sortiment umfasst 400 Wirkstoffe, die in etwa 5200 verschiedenen Produkten angeboten werden.
  • Sandoz ist Teil der globalen Novartis-Gruppe und hat so Zugang zu Forschungs- und Entwicklungsstandorten im gesamten internationalen Kompetenznetzwerk.

 

Welche Prioritäten setzen Sie bei frei verkäuflichen Medikamenten?

Dr. Eder: Wir sind einer der größten Anbieter von OTC-Produkten im Land, unter den Top 5. Hier hatten wir in diesem Jahr eine sehr erfreuliche Entwicklung und sind fast doppelt so schnell gewachsen wie der Markt. Auch hier nutzen wir die Größe, die wir haben, gerade bei den sogenannten Rx- zu OTC-Switches. Da wir bereits eine starke Präsenz im verschreibungspflichtigen Bereich haben, nehmen wir das natürlich mit, um auch starke Marken im OTC-Bereich aufzubauen. Ein sehr aktuelles Beispiel ist MometaHEXAL® Heuschnupfenspray, ein mometasonhaltiges Spray, das viele Preise abgeräumt hat und 2017 zur erfolgreichsten Neueinführung im OTC-Bereich wurde.

Dr. Stephan Eder leitet seit Mai 2017 auch
die Geschicke von Hexal. Der 1A-Award ist dem Ökonom ein Anliegen. Foto: Oliver Rehbinder.

Sie haben mit Hexal und 1 A Pharma zwei bekannte Marken in der Gruppe. Wie differenzieren Sie sich?

Dr. Eder: Es gibt im Markt ganz unterschiedliche Segmente. Biosimilars oder andere komplexe Präparate sind besprechungsintensive Produkte, bei denen Ärzte, Apotheker, aber auch Klinikpersonal zusätzliche Informationen benötigen und auch verlangen. Bei solchen Präparaten gibt es den Bedarf, mehr zu erfahren und mehr Services zu bekommen. Und das bieten wir durch Hexal an. Bei 1 A Pharma sind überwiegend Standard-Produkte im Portfolio, bei denen diese Art der zusätzlichen Besprechungsleistung nicht unbedingt notwendig ist. Aber auch hier müssen wir natürlich dem Anspruch genügen. Zum Beispiel durch attraktive Preise. Nicht umsonst ist der Claim von 1 A Pharma „Einfach verstehen“. Da geht es darum, den Ärzten, aber auch den Apothekern die Abwicklung und das tägliche Leben mit unseren Produkten so einfach wie möglich zu machen. Sei das eben beim Finden in der Software, sei das in den Unterlagen, die wir zur Verfügung stellen. So sollen etwa die „Einfach verstehen“-Materialien klar und schnörkellos sein.

Wie werden diese Materialien von Ihrem Kundenbeirat bewertet?

Dr. Eder: Das ist etwas, was wir immer wieder mit dem Kundenbeirat diskutieren. Dieser setzt sich zusammen aus Ärzten und aus Apothekern. Und mit dieser Gruppe diskutieren wir in periodischen Abständen unter anderem eben auch die Materialien, die wir anbieten. Weil wir natürlich sicherstellen wollen, dass das, was wir anbieten, tatsächlich auf Interesse stößt. Und da ist eben auch die Einfachheit und die Klarheit als wesentliches Element der 1 A Pharma sehr geschätzt.

Haben Sie dafür ein Beispiel?

Dr. Eder: Wir haben etwa ein relativ breites Portfolio an Antibiotika in der 1 A Pharma. Und da ist es natürlich für den Arzt sinnvoll und nützlich, eine klare und schön strukturierte Übersicht zu bekommen: Welche Antibiotika bietet 1 A Pharma an, wozu dienen diese, wann können die Antibiotika eingesetzt  werden? Und auch hier gilt: In der Kürze und in der Einfachheit liegt die Würze. Die Ärzte sollen nicht mit einem ganzen Kompendium überfrachtet werden.

 

Kriterien für den 1A-Award

  • Einfach verstehen: Der Bewerber stand vor einer großen Herausforderung, eine Sache zu verbessern oder zu ändern, eine unerwartete Situation zu meistern oder ganz neue Wege zu gehen.
  • Einfach machen: Der Bewerber begreift diese Herausforderung als Chance – nicht als Bedrohung. Er ergreift die Initiative und lässt sich auch von Misserfolgen und unerwarteten Hürden nicht aufhalten.
  • Einfach 1 A: Der Bewerber wird dafür ausgezeichnet, dass er eine komplizierte Sache vereinfacht hat oder aus einer teuren Lösung eine günstige Variante entwickelt hat, ein völlig neues Angebot entwickelt hat oder in einer schwierigen Situation nicht aufgegeben hat, sondern am Ende gestärkt daraus hervorgegangen ist.

 

Mit einem neuen Preis möchten Sie ab diesem Jahr Projekte auszeichnen, die in diese Vorstellung von einfachen, aber wirkungsvollen Maßnahmen passen. Was genau ist der 1A-Award und wer kann sich bewerben?

Dr. Eder: Die Unternehmensphilosophie der 1 A Pharma ist wie gesagt diese Einfachheit und Klarheit. Das bedeutet auch, Effizienzen zu nutzen, die sich bieten. Daher möchten wir mit diesem Award tatsächlich Projekte und Initiativen auszeichnen, die genau dieser Idee Vorschub leisten. In diesem Jahr gibt es eine Kategorie für Ärzte und eine für Apotheker. Und wir haben im ersten Jahr nicht nur die Möglichkeit, dass Ärzte und Apotheker Nominierungen selbst einreichen, sondern wir suchen auch ganz gezielt nach Projekten, die zur Philosophie des 1A-Awards passen.

Nach welchen Kriterien soll bewertet werden?

Dr. Eder: Es gibt eine unabhängige Jury, die diese Projekte und Nominierungen bewertet. Das Hauptkriterium ist natürlich: Bewirkt die Idee eine Vereinfachung? Trägt die Initiative zur Verbesserung einer Situation bei – und zwar nicht nur heute, sondern in nachhaltiger Art und Weise? Handelt es sich um etwas ganz Neues? Aber grundsätzlich sollte bei den eingereichten Projekten die Einfachheit und der Nutzen der Idee beziehungsweise Initiative im Vordergrund stehen.

 

So bewerben Sie sich beim 1A-Award

  • Mit dem jährlich verliehenen 1A-Award sollen Projekte ausgezeichnet werden, die die medizinische Versorgung in Deutschland verbessern.
  • Mitmachen können Hausärzte und Apotheker. Die Bewertung erfolgt durch eine unabhängige Jury. Die Gewinner erhalten eine Auszeichnung. Die Medical Tribune ist Medienpartner.
  • Alle Details zum Award finden Sie auf dieser Seite.

 

Wie spektakulär müssen diese Bewerbungen sein?

Dr. Eder: Also, es geht darum, dass etwas einfach ist, eine Verbesserung bringt und idealerweise nachhaltig einsetzbar ist. Wenn es etwas völlig Neues und Revolutionäres ist, umso besser. Aber es gibt auch kleine Verbesserungen von bestehenden Prozessen, die sehr sinnvoll sind und eine radikale Vereinfachung bringen. Und ich denke, da wissen dann Ärzte oder Apotheker wahrscheinlich selbst am besten, was diesen Kriterien genügt. Wenn man an einer Veranstaltung teilnimmt und eine Frage stellt, ist es doch typischerweise so: Nicht nur man selbst hat die Frage, sondern die Antwort hilft am Ende sehr vielen anderen Zuhörern. Und auch für den 1A-Award gilt: Wenn man selbst ein Projekt hat, das einem unter den Nägeln brennt und eine gute Verbesserung bringt, dann wird das wahrscheinlich auch anderen helfen. Ich würde mich deshalb ganz pragmatisch sehr freuen, wenn viele Projekte eingereicht werden, die wir auszeichnen können!

Interview: Medical Tribune
06.09.2018